Bayerischer Hiasl
Hiasl (zweiter von rechts) und sein jugendlicher Begleiter Anderl beim peinlichen Verhör im Gefängnis zu Dillingen.

Viele Häscher waren des Hiasl Tod

Scharfrichter bereitete bayerischem Robin Hood eine grausame Hinrichtung


Osterzell/Dillingen (hh). Am 6. September 1771 kam der rebellische "Bayerische Hiasl" alias Matthäus Klostermair buchstäblich unter die Räder der Obrigkeit. Schaulustige und Bauern aus ganz Bayern waren damals nach Dillingen gereist, um die grausliche Arbeit des Scharfrichters zu begaffen. Um mitzuerleben, wie der "bayerische Robin Hood", der "Fürst der Wälder" zu Tode kam.

Von dessen Körper wurde nicht eher abgelassen, als bis er vom Rad zerschmettert und in vier Teile zerhackt war. Solange gaben die Schergen keine Ruhe, bis seine Eingeweide unterm Galgen begraben und auf demselben sein Kopf gesteckt war. Erst als jeweils eines der dieser Art gewonnenen Menschenviertel an den Ortseingängen von Dillingen, Schwabmünchen, Oberstdorf und Füssen baumelte, sahen sich die Landesherren, Förster und Jäger von ihrem personifizierten Alptraum befreit, war der Wilderer Hiasl am Ende. Nicht aber der bayerisch-schwäbische Volksheld, der seither in zahllosen Anekdoten und Legenden weiterlebt. Ein Leben, an das am heutigen Todestag des Hiasl erinnert sei.

Fürsten leben in Saus und Braus

Begeben wir uns dazu zurück in jene Zeit, als Schwaben und Bayern in kleine und kleinste Grundherrschaften und Landeshoheiten zersplittert war. Als Fürsten und Fürstchen in Saus und Braus schwelgten, die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer wurden.

Die Bauern hatten schwer zu schuften, um überhaupt die aus ihnen gepressten Steuern und Abgaben bezahlen zu können. Dazu kamen Missernten. Zum Leben blieb da nicht mehr viel. Um so weniger, als die feisten Landesherren die Wilddichte künstlich hochhielten, damit den feinen Jagdgesellschaften auch genügend vor die Flinte lief. Während die Bauern hungerten, mussten sie zusehen, wie das zur Plage gewordene Wild die mühsam angelegten Felder zertrampelte und abfraß. Und sie trauten sich, angesichts drakonischer Strafen, nichts gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit zu unternehmen.

In dieser furchtbaren Zeit fiel der rebellische Lebensstil des Wildschütz Hiasl aus Kissing bei den Unterdrückten auf fruchtbaren Boden. Wie wurde aus einem christlich erzogenen Hirtenbub ein beliebt-berüchtigter Räuberhauptmann? Hiasl kam am 3. September 1736 als ältester Bub unter fünf Geschwistern in Kissing zur Welt. Seine Mutter Elisbath starb, als unser Held 16 war. Vater Michael verdingte sich als Viehhirt und Tagelöhner. Mit zwölf kam der Hiasl als Hirtenjunge ins Jesuitengut Mergenthau. Nebenbei erkannte der Ortsjäger Wörsching schon früh das Talent, das in dem jungen Hiasl schlummerte: das scharfe Auge und die sichere Hand. Ein Talent mit dem sich der schon bald von der Jägerei besessene Hiasl im Alter von 35 Jahren das Grab schaufeln sollte. Ein Talent, das ihn aber zunächst zum Jagdgehilfen werden ließ. Nicht lange. Denn mit seinem losen Mundwerk verprellte der ansonsten als freundlich geltende Matthäus die Geistlichen.

Liebhaber schöner Mädchen

So kam er auf den Seheransen-Hof des Bauern Buchmiller. Hier arbeitete er bis zum 25. Lebensjahr als fleißiger Knecht. Hier lernte er in der Haustochter Monika auch erstmals seine spätere Geliebte und Mutter seines Sohnes Korbinian kennen. Bis zum Jahre 1761 knechtete Hiasl nicht nur, sondern begründete mit Wildereien auch seinen Ruf als Wildschütz. Hiasl war in den umliegenden Gaststätten beliebt, er führte immer nur die schönsten Mädchen zum Tanze. Selbst ein dreivierteljähriger Aufenthalt im Zuchthaus in München hielt Hiasl nicht vom unsteten Leben ab. Schon bald hatte er in den Fluren der Hofmark Kissing den Wildbestand drastisch reduziert.

"Um dass ein Ruh' werd' zu Kissing" denunzierte der Schulmeister und Mesner Huber den Hiasl bei der Amtsmannschaft in Friedberg. Es kam zu einer nächtlichen Verfolgungsjagd und zu einer wilden Flucht durch den Lech nach Oberottmarshausen. Bei einem legendären Treffen im Bannwald bei Augsburg entschied sich Hiasls Schicksal endgültig. Alle gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Verwandten und auch ein Angebot des Kurfürsten auf eine eigene Jagd in den Wind schlagend, gründete der Hiasl seine in den besten Zeiten rund 30 Mann starke Bande. Gemeinsam lebte man im Wald. Es wurde nach Herzenslust gejagt, das Wildbret unter den Armen verteilt.

TafelJeweils alle sechs bis acht Wochen wechselten die beim Volke beliebten Wildschützen ihr Revier. Das schützte vor Verfolgung und steigerte den Bekanntheitsgrad. Hiasls Wirkungskreis erstreckte sich über die heutigen Landkreise Augsburg, Günzburg, Dillingen, Neu-Ulm, Fürstenfeldbruck, Ostallgäu, Unterallgäu und Oberallgäu. Mildtätig gegenüber Armen, Frauen und Kindern ging die Räuberbande immer dreister gegen die Obrigkeit vor. Beispielsweise erpressten sie vom Amtmann in Täfertingen Steuergelder, die sie unter der Bevölkerung wieder verteilten. Bis zur dramatischen Verhaftung von Resten der Hiaslbande am 14. Januar 1771 im Osterzeller Gasthaus (siehe Tafel oben) brachten es die Wildschützen auf rund fünfzig schwere Straftaten. Neben der Wilderei vor allem Raub, Landfriedensbruch und Totschlag.

Als die Räuberbande durch Verhaftungen, Abwanderungen und Todesfälle zerbröckelte, wollte auch das Volk nicht mehr viel von seinem Wohltäter wissen. Verrat aus den eigenen Reihen brachte die Häscher (Soldaten, Amtsknechte und Jäger) um den Premierleutnant Josef Ferdinand von Schedel letztlich auf die Spur des Räuberhauptmannes. Es gab ein langes Feuergefecht mit Toten und Verletzten. Bis Hiasl sich ergab. Auf einem Kälberschlitten brachten die Schergen den Hiasl und seine letzten Getreuen über Buchloe nach Dillingen. Dort musste er den ganzen Sommer 1771 lang hochnotpeinliche Verhöre über sich ergehen lassen. Ein Sommer, der geprägt war von Dürre, Hunger, Not und Missernte – und, wie wir nun wissen, von einem aufsehenerregenden Todesurteil…

(Veröffentlicht am 6. September 1991 in der Allgäuer Zeitung - Lokalausgabe Kaufbeuren)

Mehr über den Bayerischen Hiasl im Internet:

Lesen Sie Hiasls Lebensgeschichte auf den Webseiten der Gemeinde Kissing.

Friedrich Schiller soll den Bayerischen Haisl angeblich als Vorbild für die Figur „Karl Moor" in seinem Theaterstück Die Räuber genommen haben.

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NanoWappenBesuchen Sie im Internet die Website von NaNo Rothal e.V., die sich mit dem lebendigen Brauchtum rund um den Bayerischen Hiasl beschäftigt.







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